Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Pflichtethik und der kategorische Imperativ – Kirsten Schrick

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Pflichtethik und der kategorische Imperativ

Pflichtethik und der kategorische Imperativ

Kants bekan­nteste ethis­che Regel, der kat­e­gorische Imper­a­tiv, fordert, dass man nur nach der­jeni­gen Maxime han­deln soll, von der man zugle­ich wollen kann, dass sie ein all­ge­meines Gesetz werde.

Für die Ver­ant­wortlichen bedeutet dies, Entschei­dun­gen zu tre­f­fen, die als all­ge­meine Richtlin­ie für ähn­liche Sit­u­a­tio­nen auch anderen dienen kön­nten, was zu ein­er ver­ant­wor­tungsvolleren und nach­haltigeren Geschäft­sprax­is führt. Ich bin der fes­ten Überzeu­gung, dass Entschei­dun­gen anders pri­or­isiert und gew­ertet wür­den, wenn diese Reflex­ion bewusst, offen und im kri­tis­chen Diskurs stat­tfind­en würde. Aus mein­er Erfahrung entste­hen kog­ni­tive und emo­tionale Dis­so­nanzen genau dann, wenn der kat­e­gorische Imper­a­tiv nicht einge­hal­ten wird. Wenn Wass­er gepredigt und Wein kon­sum­iert wird. Wenn mit mehrerlei Maß gear­beit­et und bew­ertet wird. Ich erlebe genau­so, wie der Respekt und die Achtung steigen, wenn Leader inte­ger agieren, sie sich nicht scho­nen und sich schwieri­gen Entschei­dun­gen mit ein­er inneren Selb­stverpflich­tung stellen. 

Autonomie und Freiheit

Ein zen­traler Punkt in Kants Ethik ist die Bedeu­tung der Autonomie, also der Fähigkeit des Indi­vidu­ums, unab­hängig und selb­st­bes­timmt zu han­deln. New Work betont eben­falls die Wichtigkeit von Autonomie am Arbeit­splatz, indem Mitar­bei­t­en­den mehr Entschei­dungs­frei­heit und Kon­trolle über ihre Arbeit eingeräumt wird. Bei­de Konzepte erken­nen an, dass Autonomie ein Schlüs­se­lele­ment men­schlich­er Würde und Zufrieden­heit ist. Kant sah die Autonomie des Einzel­nen als Grund­stein der Moral­ität und der men­schlichen Würde. Diese Beto­nung der indi­vidu­ellen Frei­heit ist bei Kant eng mit der Über­nahme von Ver­ant­wor­tung ver­bun­den. Für Kant geht wahre Frei­heit mit Ver­ant­wor­tung und der Achtung der Frei­heit ander­er einher.

Was kann das prak­tisch bedeuten? Zum einen, dass Du Schnittstellen mit anderen Teams und Bere­ichen nicht als Ein­schränkung Dein­er Macht und Frei­heit siehst, son­dern als Ein­ladung, Gestal­tungsräume gemein­sam zu öffnen. 

Frei­heit hat auch etwas mit dem ver­ant­wor­tungsvollen Öff­nen und Schließen von Gren­zen zu tun. Reflek­tiere deshalb regelmäßig, wie aufmerk­sam und bewusst Du oder Dein Team mit den Frei­heit­en und Gren­zen ander­er umgehen:

  • Bei wem kön­ntest Du Gren­zen bewusster setzen?
  • Welche Gren­zen von anderen soll­test Du acht­samer wahren, um ihre Frei­heit­en zu respektieren?
  • Wo soll­test Du Gren­zen wieder öff­nen und in einen Aus­tausch gehen?

Gemein­schaft und Kooperation

Obwohl Kant stark den Indi­vid­u­al­is­mus betont, erken­nt er auch die Bedeu­tung von sozialen Beziehun­gen und die Ein­bet­tung des Indi­vidu­ums in eine Gemein­schaft. Ger­ade kol­lab­o­ra­tive Arbeits­for­men, wie z.B. Scrum, Kan­ban, Design Think­ing organ­isieren die Arbeit in ein­er Weise, die die Koop­er­a­tion fördern, den Gemein­schaftssinn inner­halb des Teams und der Organ­i­sa­tion stärken und Inno­va­tion ermöglichen.

Auch hier ein Beispiel aus der Prax­is: Ein CEO und ein CFO berichteten von ein­er für sie bedeut­samen und auch schwieri­gen Per­son­alentschei­dung, die sie nach rei­flich­er Über­legung getrof­fen hat­ten. Ich stellte ihnen zwei Kant’sche Fra­gen. Die eine bezog sich auf den kat­e­gorischen Imper­a­tiv: Wür­den bei­de ihre – der Entschei­dung zugrun­deliegen­den – Maxime auch als Hand­lungs­grund­lage für alle Führungskräfte empfehlen? Und die zweite bezog sich darauf, ob die Gemein­schaft durch die Auflö­sung des Ver­tragsver­hält­niss­es gestärkt wurde? Bei­de Aspek­te bestätigten sie. Ins­beson­dere die Führungsebene nahm den Entschluss als Akt der Fair­ness und Erle­ichterung wahr: Ein­er Selb­stop­ti­mierung zu Las­ten des Teams war ein Ende geset­zt wor­den. Bei­de Top Man­ag­er emp­fan­den diesen Kant’schen Check­point im Nach­hinein als über­aus hil­fre­ich und wegweisend.