Merger: Out of the crisis and into a new home
A merger is imminent — and it is not clear whether our customer’s division can find a new home.
Mich interessiert dabei die Kunst selbst genauso wie die Menschen, die sie machen und die, die sie in den öffentlichen Raum bringen. Schamoni ist eine dieser Menschen. Sie gehört zu den prägenden Galeristinnen der Gegenwartskunst. Seit 2013 führt sie die nach ihr benannte Galerie in München und präsentiert ein eigenständiges, internationales Programm. Die Künstlerinnen und Künstler, die sie vertritt, beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Fragen, mit Identität, Migration, Erinnerung und den Herausforderungen unserer Zeit. Gleichzeitig gehört Deborah Schamoni zu denjenigen Galeristinnen, die mehr tun, als Kunst nur zu verkaufen: Sie begleitet Karrieren über Jahre hinweg, investiert in Ausstellungen und glaubt dabei häufig an Künstlerinnen und Künstler, lange bevor deren Erfolg sichtbar wird.
Im Gespräch mit mir erzählt sie, warum sie sich eher als Begleiterin, denn als Händlerin versteht, weshalb gute Kunst Zeit braucht und warum Kreativität ohne Freiheit – aber auch ohne Verbindlichkeit – nicht entstehen kann.
Deborah, Du vertrittst ein sehr eigenständiges und progressives Programm. Was war Deine ursprüngliche Vision für die Galerie?
Meine ursprüngliche Vision war eigentlich sehr persönlich. Ich komme selbst aus der Kunst, genauer gesagt vom Film. Viele meiner Freunde waren Künstlerinnen und Künstler, und am Anfang wollte ich vor allem ihre Arbeiten zeigen. Heute ist mein Blick weiter geworden. Mich interessieren Künstlerinnen und Künstler, die etwas Eigenständiges repräsentieren, die sich ernsthaft mit Themen auseinandersetzen und langfristig arbeiten. Gute Kunst entsteht selten über Nacht. Sie entwickelt sich über viele Jahre.
Der Kunstmarkt steht aktuell unter Druck. Wie gelingt es Dir, trotzdem an künstlerischen Positionen festzuhalten?
Nicht alle Künstlerinnen und Künstler verkaufen sich natürlich gleichermaßen gut. Manche erzielen regelmäßig Verkäufe, andere arbeiten vor allem institutionell und sind in Museen oder Ausstellungen präsent. Für mich gehört beides zu einem guten Programm. Ein Professor:in, der/die Generationen von Künstler:innen ausgebildet hat und ein wichtiges Werk geschaffen hat, bleibt relevant, auch wenn sie sich weniger gut verkauft als andere. Ein interessantes Programm entsteht gerade durch diese Vielfalt. Deshalb würde ich mich nicht von einer Position trennen, nur weil sie wirtschaftlich schwieriger ist.
Gute Galeristinnen tun weit mehr, als Kunst zu verkaufen. Was bedeutet diese Rolle für Dich persönlich?
Als Galeristin geht man eine langfristige Beziehung mit Künstlerinnen und Künstlern ein. Das reicht von täglichen Gesprächen über die Entwicklung ihrer Arbeit bis hin zur Finanzierung von Produktionen, Transporten, Dokumentation oder institutionellen Ausstellungen. Viele Menschen sehen nur das fertige Werk. Was oft unsichtbar bleibt, ist die Investition dahinter. Wir begleiten Künstlerinnen und Künstler in ihrer Entwicklung über Jahre hinweg und unterstützen sie in Phasen, in denen sie noch keine wirtschaftliche Basis haben. Das ist ein unternehmerisches Risiko, aber genau darin liegt auch der Sinn meiner Arbeit.
Gab es Momente, in denen Du an Deinem Konzept gezweifelt hast?
Natürlich. Besonders schmerzhaft ist es, wenn Künstlerinnen oder Künstler, mit denen man begonnen hat, später zu größeren Galerien wechseln. Das gehört zum System und ist ein wenig wie ein Vereinswechsel im Profifußball. Aber es gibt immer wieder die Momente, die einen weitermachen lassen: Eine großartige neue Arbeit, eine institutionelle Ausstellung, ein unerwarteter Verkauf oder einfach eine Nachricht eines Künstlers:in, der/die gerade etwas Spannendes entwickelt. Man braucht diese positiven Erlebnisse.
Wonach entscheidest Du, an wen Du glaubst?
Eine Arbeit muss etwas in mir auslösen. Sie muss mich beschäftigen, neugierig machen und den Wunsch wecken, mehr darüber herauszufinden. Ich muss selbst begeistert sein, denn ich habe keine große Vertriebsorganisation hinter mir. Ich vermittle diese Kunst selbst. Deshalb kann ich nur mit Künstlerinnen und Künstlern arbeiten, für deren Arbeit ich echte Leidenschaft empfinde.
In der Gesellschaft und Wirtschaft wird viel über Innovation gesprochen. Was braucht Kreativität aus Deiner Sicht wirklich? Und was können sich Unternehmen davon abschauen?
Freiheit ist unbedingt wichtig. Aber Freiheit allein reicht nicht. Künstlerinnen und Künstler brauchen auch eine stabile Basis. Sie brauchen Zeit, Ressourcen, soziale Absicherung und die Möglichkeit, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Und sie brauchen Herausforderungen: Termine, Deadlines, Ausstellungen und Partner:innen, wie uns Galerist:innen. Das ganze System basiert sehr auf Kollaboration.
Das romantische Bild vom hungernden Künstler halte ich für problematisch. Wer permanent ums Überleben kämpft, kann seine Energie nur schwer in kreative Arbeit investieren. Wenn ich das jetzt mal für Unternehmen ableite: Sie müssen ihrer Forschung und Entwicklung ausreichend Raum geben und vor allem die notwendigen finanziellen Ressourcen vorhalten.
Welche Rolle spielt Wissen für Kreativität?
Eine sehr große. Heute reicht es nicht mehr, einfach etwas zu machen. Künstlerinnen und Künstler müssen wissen, worauf sie sich beziehen. Sie recherchieren, setzen sich mit Geschichte, Gesellschaft und anderen künstlerischen Positionen auseinander. Freiheit braucht deshalb immer auch intellektuelle Tiefe. Kreativität entsteht nicht nur aus Inspiration, sondern auch aus Wissen und Auseinandersetzung.
Welche Funktion sollte Kunst heute übernehmen?
Kunst sollte uns dazu bringen, genauer und aus neuen Perspektiven hinzusehen. Sie sollte nicht nur ein gutes Gefühl erzeugen oder als moralische Entlastung dienen. Sie sollte Fragen stellen, Zusammenhänge sichtbar machen und uns dazu bringen, uns mit den Hintergründen unserer Gegenwart auseinanderzusetzen. Für mich liegt darin ihre größte gesellschaftliche Bedeutung.
Kunst erweitert unseren Blick auf die Welt. Sie macht uns hoffentlich offener, toleranter und aufmerksamer für Menschen, Erfahrungen und Perspektiven, die wir sonst vielleicht übersehen würden oder nicht kennen.
Mein Fazit: Gute Kunst entsteht nicht durch kurzfristige Optimierung. Sie entsteht durch Vertrauen, Freiheit, Beharrlichkeit, Mut und Menschen, die bereit sind, früh an andere zu glauben. Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Lektionen für Unternehmen und Führungskräfte: Innovation braucht nicht nur Ideen. Sie braucht Menschen, die Potentiale erkennen, bevor deren Erfolg sichtbar wird.