Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Kirsten Schrick – Merger: Out of the crisis and into a new home
Merger: Out of the crisis and into a new home

Merger: Out of the crisis and into a new home

A merg­er is immi­nent — and it is not clear whether our cus­tomer’s divi­sion can find a new home.

Wie hast Du diese Diskus­sion erlebt?

Das war tat­säch­lich eine der inten­sivsten Phasen im Prozess – nicht heftig im Sinne von Stre­it, aber sehr bewegt. Pride ist ja viel mehr als nur eine Über­set­zung von Stolz. Es ste­ht für eine ganze Bewe­gung. Das Sich-Zeigen, das Nicht-mehr-Ver­steck­en, das Out-of-the-Clos­et-Kom­men. Gle­ichzeit­ig ist das deutsche Wort Stolz ambiva­lent. Es kann Größe haben – aber auch Arro­ganz mitschwin­gen lassen. Und dann kam die Frage auf: Kann man über­haupt stolz auf seine Sex­u­al­ität sein? Ist sie nicht ein­fach ein Teil von uns, nichts, was man leis­tet“? Das war für viele von uns eine tiefge­hende Auseinan­der­set­zung mit Iden­tität – mit der Frage, wie wir uns als Ver­band definieren wollen und mit welchem Begriff wir uns wirk­lich wohlfühlen.

Und dann kam ja auch der Gen­er­a­tio­ne­naspekt dazu – die unter­schiedlichen Hal­tun­gen zu Begrif­f­en wie schwul“, gay“ oder queer“. Richtig? 

Genau. Viele vergessen: Der Völk­linger Kreis wurde vor 35 Jahren gegrün­det. Da war der Para­graf 175 noch in Kraft. Das Wort schwul“ war ein Schimpf­wort – und sich das zurück­zuer­obern war eine Form von Stolz. Für Jün­gere dage­gen ist queer ein ganz selb­stver­ständlich­er Begriff, Aus­druck von Vielfalt. Diese Span­nun­gen zuzu­lassen, ohne sie zu verurteilen – das war ein wichtiger Teil unser­er Arbeit. Ich habe gel­ernt: Man kann solche Unter­schiede nicht ein­fach weg­bügeln. Man muss sie evo­lu­tionär entwickeln.

Am Ende habt Ihr Werte definiert, die den Ver­band tra­gen sollen. Welche waren für Dich beson­ders prägend?

Zwei vor allem: Sol­i­dar­ität und Akzep­tanz. Sol­i­dar­ität, weil eine Gruppe, die selb­st Akzep­tanz ein­fordert, nicht nur für sich kämpfen darf. Sie muss auch Sol­i­dar­ität mit anderen zeigen, mit Les­ben, mit Transper­so­n­en, mit allen, die für Gle­ich­berech­ti­gung ste­hen. Und Akzep­tanz – im dop­pel­ten Sinn – bedeutet: Ich fordere sie für mich, aber ich gebe sie auch anderen. Das war für mich ein­er der tief­sten Punk­te im Prozess.

Im Jahr 2024 habt Ihr dann die neue Satzung ver­ab­schiedet. Was hat sich konkret verändert?

Wir haben uns als Ver­band geöffnet – wirk­lich geöffnet, meine ich. Wir haben die Begriffe schwul, Führungskraft und selb­st­ständig aus dem Namen gestrichen. Heute heißen wir Berufsver­band VK – Net­zw­erk für Vielfalt und Kar­riere. Und: Jede und jed­er kann Mit­glied wer­den, solange er oder sie die Ziele des Ver­bands unter­stützt. Das war eine kleine Rev­o­lu­tion. Und sie wurde mit über 80 Prozent Zus­tim­mung durch die Mit­glieder beschlossen. Mit dieser hohen Quote hat­te ich nicht gerechnet.

Was hat Dich per­sön­lich in diesem Prozess am meis­ten bewegt?

Meine eigene Naiv­ität. Ich dachte, wir wollen doch alle das Gle­iche – also wird das ein­fach. (lacht) Aber Trans­for­ma­tion macht nicht alle glück­lich. Es gab viel Wider­stand, auch per­sön­liche Angriffe. Ich habe zwis­chen­durch den Mut ver­loren. Wenn ich gewusst hätte, wie anstren­gend es wird, hätte ich das Pro­jekt vielle­icht nicht ange­fan­gen. Aber heute bin ich froh. Es hat mich auch gelehrt, was Führung im Ehre­namt bedeutet – und wie viel Energie und Geduld es braucht, wenn man wirk­lich etwas verän­dern will.

Woran wirst Du in zwei Jahren merken, dass der VK wirk­lich angekom­men ist in sein­er neuen Rolle?

Ganz prag­ma­tisch: an der Zahl und der Vielfalt unser­er Mit­glieder. Wenn mehr junge Men­schen, mehr queere Men­schen, vielle­icht auch Frauen zu uns kom­men – dann wis­sen wir, dass wir es geschafft haben. Und wenn wir weit­er­hin als rel­e­van­ter Part­ner in Poli­tik und Wirtschaft wahrgenom­men wer­den, dann hat sich die ganze Arbeit gelohnt.

Lieber Kurt, ich danke Dir – für die Offen­heit, für Deinen Mut und für diesen Prozess, der wirk­lich etwas bewegt hat.