Merger: Out of the crisis and into a new home
A merger is imminent — and it is not clear whether our customer’s division can find a new home.
Wie hast Du diese Diskussion erlebt?
Das war tatsächlich eine der intensivsten Phasen im Prozess – nicht heftig im Sinne von Streit, aber sehr bewegt. Pride ist ja viel mehr als nur eine Übersetzung von Stolz. Es steht für eine ganze Bewegung. Das Sich-Zeigen, das Nicht-mehr-Verstecken, das Out-of-the-Closet-Kommen. Gleichzeitig ist das deutsche Wort Stolz ambivalent. Es kann Größe haben – aber auch Arroganz mitschwingen lassen. Und dann kam die Frage auf: Kann man überhaupt stolz auf seine Sexualität sein? Ist sie nicht einfach ein Teil von uns, nichts, was man „leistet“? Das war für viele von uns eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Identität – mit der Frage, wie wir uns als Verband definieren wollen und mit welchem Begriff wir uns wirklich wohlfühlen.
Und dann kam ja auch der Generationenaspekt dazu – die unterschiedlichen Haltungen zu Begriffen wie „schwul“, „gay“ oder „queer“. Richtig?
Genau. Viele vergessen: Der Völklinger Kreis wurde vor 35 Jahren gegründet. Da war der Paragraf 175 noch in Kraft. Das Wort „schwul“ war ein Schimpfwort – und sich das zurückzuerobern war eine Form von Stolz. Für Jüngere dagegen ist queer ein ganz selbstverständlicher Begriff, Ausdruck von Vielfalt. Diese Spannungen zuzulassen, ohne sie zu verurteilen – das war ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Ich habe gelernt: Man kann solche Unterschiede nicht einfach wegbügeln. Man muss sie evolutionär entwickeln.
Am Ende habt Ihr Werte definiert, die den Verband tragen sollen. Welche waren für Dich besonders prägend?
Zwei vor allem: Solidarität und Akzeptanz. Solidarität, weil eine Gruppe, die selbst Akzeptanz einfordert, nicht nur für sich kämpfen darf. Sie muss auch Solidarität mit anderen zeigen, mit Lesben, mit Transpersonen, mit allen, die für Gleichberechtigung stehen. Und Akzeptanz – im doppelten Sinn – bedeutet: Ich fordere sie für mich, aber ich gebe sie auch anderen. Das war für mich einer der tiefsten Punkte im Prozess.
Im Jahr 2024 habt Ihr dann die neue Satzung verabschiedet. Was hat sich konkret verändert?
Wir haben uns als Verband geöffnet – wirklich geöffnet, meine ich. Wir haben die Begriffe schwul, Führungskraft und selbstständig aus dem Namen gestrichen. Heute heißen wir Berufsverband VK – Netzwerk für Vielfalt und Karriere. Und: Jede und jeder kann Mitglied werden, solange er oder sie die Ziele des Verbands unterstützt. Das war eine kleine Revolution. Und sie wurde mit über 80 Prozent Zustimmung durch die Mitglieder beschlossen. Mit dieser hohen Quote hatte ich nicht gerechnet.
Was hat Dich persönlich in diesem Prozess am meisten bewegt?
Meine eigene Naivität. Ich dachte, wir wollen doch alle das Gleiche – also wird das einfach. (lacht) Aber Transformation macht nicht alle glücklich. Es gab viel Widerstand, auch persönliche Angriffe. Ich habe zwischendurch den Mut verloren. Wenn ich gewusst hätte, wie anstrengend es wird, hätte ich das Projekt vielleicht nicht angefangen. Aber heute bin ich froh. Es hat mich auch gelehrt, was Führung im Ehrenamt bedeutet – und wie viel Energie und Geduld es braucht, wenn man wirklich etwas verändern will.
Woran wirst Du in zwei Jahren merken, dass der VK wirklich angekommen ist in seiner neuen Rolle?
Ganz pragmatisch: an der Zahl und der Vielfalt unserer Mitglieder. Wenn mehr junge Menschen, mehr queere Menschen, vielleicht auch Frauen zu uns kommen – dann wissen wir, dass wir es geschafft haben. Und wenn wir weiterhin als relevanter Partner in Politik und Wirtschaft wahrgenommen werden, dann hat sich die ganze Arbeit gelohnt.
Lieber Kurt, ich danke Dir – für die Offenheit, für Deinen Mut und für diesen Prozess, der wirklich etwas bewegt hat.