Merger: Out of the crisis and into a new home
A merger is imminent — and it is not clear whether our customer’s division can find a new home.
Kurt war 2022 Vorstand des Berufsverband VK e.V., schwuler Führungskräfte geworden. Er sprach mich unmittelbar danach an, weil er den Verband neu ausrichten wollte und bei diesem Vorhaben Unterstützung benötigte. Der Verband sollte jünger, offener und anschlussfähiger werden. Daraus entstanden ist ein tiefgehender Transformationsprozess, der sich über mehr als ein Jahr erstreckte und schließlich in eine Satzungsänderung und in einer neuen, inklusiven Identität des Verbands mündete. Ich habe mit Kurt rückblickend auf diese Entwicklung gesprochen.
Kurt, warum war Dir die Neuausrichtung des Kreises, für die Du Dich als Vorstand eingesetzt hast, damals so wichtig?
Kurt Siering: Ich habe damals wahrgenommen, dass der Verband an einem Scheideweg stand. Er wirkte elitär und ein bisschen verkrustet. Dieser Eindruck wurde uns auch aus der Öffentlichkeit gespiegelt. Das Risiko der Überalterung der Mitglieder manifestierte sich darin. Das Durchschnittsalter der Mitglieder lag damals bei deutlich über 50 Jahren. Wenn man nicht gegen diese demografische Entwicklung arbeitet, stirbt so ein Verband im wahrsten Sinne des Wortes langsam aus. Ich habe mir dann angeschaut, was es in der Vergangenheit an Strategiepapieren gab. Es waren einige – eloquent formuliert, aber nie umgesetzt. Das wollte ich nicht wiederholen. Ich wollte schaffen, dass wir ins Machen kommen. Und ich wollte tiefer gehen. Mir fehlte in den bisherigen Prozessen die Tiefe.
Und warum bist Du damals auf mich zugekommen? Ich bin als heteronormative Frau nicht direkt aus der Zielgruppe.
Kurt lacht. Das hatte zwei Gründe. Erstens standst Du eben nicht im Verdacht, Teil der Bubble zu sein. Ich wollte mit jemandem arbeiten, der von außen auf uns schaut. Und der Unterschied zwischen einem Kreis schwuler Männer und Dir als Frau hätte größer kaum sein können. Zweitens: Wir hatten ja schon früher gut miteinander zusammengearbeitet. Ich wusste, dass wir beide ein kompatibles Mind-Set haben und dass Du Dinge schnell erfassen kannst. Da war auch eine Effizienzüberlegung dabei – ich musste Dir nicht erst erklären, wie ich ticke.
Ich erinnere mich, dass bei unserem ersten Workshop zehn Männer im Raum saßen – und ich als einzige Frau. Da war zunächst eine gewisse Ambivalenz spürbar. Wie hast Du das erlebt?
Natürlich war da Irritation. Die Konstellation war ungewohnt. Aber gleichzeitig auch Neugier und Offenheit. Und sobald wir ins Arbeiten kamen, war das Thema erstaunlich schnell weg. Ich glaube, es war für einige eine kleine Hürde, über das eigene Leben und die eigene Sexualität mit einer Frau zu sprechen. Aber als die Atmosphäre sicher war, ist diese Irritation schnell verflogen. Dann ging’s wirklich um Inhalte.
Wir haben uns während des Workshops mit dem WHY des Kreises beschäftigt und methodisch mit dem Golden Circle von Simon Sinek gearbeitet. Es ging um die Frage: Warum gibt es den Kreis überhaupt? Wie hast Du diesen Prozess erlebt?
Ich wusste intuitiv, wo ich hinwill — aber nicht: wie. Da brauchte ich Unterstützung. Deine Vorgehensweise war für viele – und ehrlich gesagt auch für mich – zunächst etwas fancy. Da kamen Einwände wie: Können wir nicht einfach gleich hinschreiben, was wir besser machen wollen? (lacht) Aber ich hatte das Vertrauen, dass Du einen Plan hast. Und dann war es schön zu sehen, wie sich alle Schritte für Schritt eingelassen haben – und wie wir dadurch wirklich an den Kern gekommen sind.
Die Fortsetzung unseres Interviews findet Ihr hier in der kommenden Woche.