Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Künstlerische Visionen entstehen nicht in… – Kirsten Schrick

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Künstlerische Visionen entstehen nicht in Exel-Spalten

Künstlerische Visionen entstehen nicht in Exel-Spalten

Vor eini­gen Wochen war ich zu Gast auf ein­er großen Wirtschaft­skon­ferenz. Dort fiel ständig das Wort Vision”. Deutsch­land brauche mehr Visio­nen. Unternehmen bräucht­en Visio­nen. Führungskräfte müssten visionär­er wer­den. Und und und.

Vom ehe­ma­li­gen Bun­deskan­zler Hel­mut Schmidt stammt der Satz: Wer Visio­nen hat, sollte zum Arzt gehen.” Das ist etwas zu drastisch gesagt. Aber irgend­wann dachte ich: Vielle­icht fehlt es uns in Deutsch­land gar nicht an Visio­nen. Vielle­icht geht es um die Grund­lage dafür, die wir dro­hen zu ver­lieren: unsere Vorstellungskraft!

Visio­nen begin­nen nicht mit Strate­gie. Sie begin­nt mit Fan­tasie. Mit inneren imag­inären Bildern und dem Gedanken: Wie kön­nte etwas sein? Die Fähigkeit, sich etwas vorstellen zu kön­nen, das noch nicht sicht­bar ist. Einem Zus­tand wie er sein kön­nte in der Zukun­ft. Dieses Konzept begeg­net mir immer wieder in der Kun­st. Kün­st­lerin­nen und Kün­stler arbeit­en mit ihrer Imag­i­na­tion­skraft. Sie entwick­eln Bild­wel­ten, Atmo­sphären, Span­nun­gen und Gedanken­räume, die uns emo­tion­al erre­ichen. Gute Kun­st berührt nicht nur unseren Ver­stand. Sie macht etwas mit uns. Sie fordert uns her­aus, irri­tiert, zieht uns hinein. Liegt genau darin ein Prob­lem unser­er Wirtschaft? Vielle­icht erlauben wir uns zu sel­ten, unser­er Vorstel­lungskraft einen Aus­druck zu geben? In Zahlenkolon­nen entste­ht sel­ten inneres Erleben. Und die meis­ten Pow­er-Point-Präsen­ta­tio­nen erzeu­gen keine Bilder und Emo­tio­nen, weil sie zu abstrakt sind.

Künstler:innen hinge­gen arbeit­en oft jahre­lang an ihren (inneren) Bildern, ohne zu wis­sen, ob sie jemals ver­standen wer­den. Ob ihre Arbeit­en einen Markt find­en. Ob sie davon leben kön­nen. Und trotz­dem gehen sie weit­er und bewälti­gen dabei einen Spa­gat: Ein­er­seits vertei­di­gen sie ihre Frei­heit, die Basis und Triebfed­er für ihre kün­st­lerische Arbeit. Ander­er­seits reicht Frei­heit in ein­er von ökonomis­chen Zwän­gen bes­timmten Welt allein nicht aus. Kün­st­lerin­nen und Kün­stler brauchen auch eine sta­bile Basis. Sie brauchen Zeit, Ressourcen, soziale Absicherung und die Möglichkeit, sich auf ihre Arbeit zu konzen­tri­eren“, sagt Deb­o­rah Scha­moni. Sie brauchen Her­aus­forderun­gen: Ter­mine, Dead­lines, Ausstel­lun­gen, Erwartun­gen.“ Scha­moni betreibt eine ange­se­hene Galerie in München und gehört zu den prä­gen­den Pro­tag­o­nistin­nen der Gegen­wart­skun­st. Mit ihr habe ich mich aus­führlich darüber unter­hal­ten, warum sie sich nicht als Händ­lerin ver­ste­ht und warum Kreativ­ität ohne Frei­heit nicht entste­hen kann. Das aus­führliche Inter­view kön­nt Ihr hier lesen https://​www​.kirsten​-schrick​.de/​m​a​g​a​z​i​n​/​k​u​n​s​t​-​b​r​a​u​c​h​t​-​f​r​e​i​h​e​i​t​-​a​b​e​r​-​a​u​c​h​-​m​e​n​s​c​h​e​n​-​d​i​e​-​a​n​-​s​i​e​-​g​l​auben

Als Faz­it bleibt: Visio­nen entste­hen nicht aus per­fek­ter Pla­nung. Sie entste­hen aus der Fähigkeit, inner­lich etwas sehen zu kön­nen, bevor es Real­ität wird. Wer diese Konzepte jedoch mutig in die Welt tra­gen will, braucht Durch­hal­tev­er­mö­gen. Dafür ist bei aller Frei­heit wirtschaftliche Sta­bil­ität und Sicher­heit notwendig.