Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Wie wir lernen, wieder zuzuhören – Kirsten Schrick

„Kirstens Konfekt“ – Exklusive Insights als Newsletter abonnieren

Wie wir lernen, wieder zuzuhören

Wie wir lernen, wieder zuzuhören

Was Zuhören im Arbeit­sall­t­ag erschw­ert, ist die hohe Tak­tung von Ter­mi­nen. Hinzu kom­men ein per­ma­nen­ter Entschei­dungs­druck und die Erwartung, schnell Lösun­gen liefern zu können.

Nicht zu vergessen: die dig­i­tale Ablenkung. Zuhören wird dadurch zu etwas, das wir neben­bei“ machen. Aber genau das funk­tion­iert nicht. Was also dann? Ein Beispiel dazu aus mein­er Prax­is: In einem Bere­ich gibt es Span­nun­gen zwis­chen zwei Teams. Auf der Sachebene wer­den Argu­mente aus­ge­tauscht. Zahlen, Fak­ten, Zuständigkeit­en. Erst als ein­er der Beteiligten sagt: Ich habe den Ein­druck, dass hier auch viel Frus­tra­tion im Spiel ist – stimmt das?“ verän­dert sich die Sit­u­a­tion. Die andere Seite begin­nt zu erzählen, was sie seit Monat­en belastet. In diesem Moment entste­ht empathis­ches Zuhören. Und daraus entwick­elt sich eine neue Tiefe. Die fordert zwar noch nicht sofort die Lösung, aber ein gemein­sames Ver­ste­hen. Dann sagt einige Minuten später ein Kol­lege: Wenn wir das alle so sehen, müssten wir eigentlich ganz anders zusam­me­nar­beit­en…“ Das ist der Moment des schöpferischen Zuhörens. Jet­zt entste­ht eine neue Idee der Zusam­me­nar­beit, nicht aus sach­lichen Argu­menten, son­dern aus der Verbindung zwis­chen Menschen.

Meine Mini-Übun­gen dazu für den All­t­ag (sofort umsetzbar):

  1. Visueller Anker: Lege Dir einen Gegen­stand in Dein Sicht­feld, zum Beispiel einen Stift oder eine Karte. Seine einzige Funk­tion: Dich im Gespräch daran zu erin­nern, nicht sofort zu bewerten.
  2. 30-Sekun­den-Regel: Erlaube Dir bewusst, 30 Sekun­den länger zuzuhören, als Du es gewohnt bist. Kein Unter­brechen. Keine Lösung. Nur Gesagtes aufnehmen.
  3. Para­phrasieren statt reagieren: Starte Deine Antwort mit: Du meinst also, dass…“ Dir ist wichtig, dass…“ Deine Idee bedeutet …“. Das zwingt Dich, erst zu ver­ste­hen – dann zu sprechen. Ger­ade hier gilt: Wende diesen Trick nicht mech­a­nis­tisch an, son­dern weil Dich die Impulse des anderen wirk­lich inter­essieren. Son­st wer­den solche Sätze zum Fake.
  4. Ablenkung radikal reduzieren: Handy weg, Bild­schirm schließen, Kör­p­er zum Gegenüber. Klingt banal – ist aber wirksam.
  5. Fokus aktiv zurück­holen: Wenn Du merkst, dass Deine Gedanken abschweifen: Gehe bewusst zurück zur/​zum Gesprächspartner:in. Dieses Refokussieren braucht Wiederholung.