Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Es bewegt sich was – wenn die Kultur trägt – Kirsten Schrick

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Es bewegt sich was – wenn die Kultur trägt

Es bewegt sich was – wenn die Kultur trägt

Manch­mal fährt man als Ref­er­entin zu ein­er Ver­anstal­tung, um einen Impuls zu geben – und startet dann selb­st so richtig mit Rück­en­wind in die Sommerfrische.

So jeden­falls erg­ing es mir bei meinem Besuch der Führungswerk­statt des Bosch-Stan­dorts Blaichach/​Immenstadt.

Rund 4.200 Men­schen aus etwa 40 Natio­nen arbeit­en in dem Werk. Der Pro­duk­tion­s­stan­dort des Tech­nolo­giekonz­erns steckt mit­ten in einem anspruchsvollen Trans­for­ma­tion­sprozess, der tief­greifende Verän­derun­gen nach sich zieht. Nie­mand, den ich bei der Ver­anstal­tung erlebt habe, machte sich darüber Illu­sio­nen. Ger­ade deshalb hat mich diese Führungswerk­statt vom Werk Blaichach/​Immenstadt, die seit vie­len Jahren Tra­di­tion ist, so begeis­tert. Denn die Entschei­dung dazu lautete: Auch in Zeit­en wie diesen wird dieses For­mat durchge­führt – nur eben in einem anderen Rahmen.

Die Führungswerk­statt fand in diesem Jahr in der Umwelt­sta­tion Unter­all­gäu in Legau statt. Mehrere Teil­nehmende teil­ten sich dort Hüt­ten – inklu­sive Werk­sleitung. Andere kamen mit dem eige­nen Camper. Vieles wurde in Eigen­regie organ­isiert, von Führungswork­shops über den Getränkewa­gen bis zum DJ. Und die Stim­mung? Sen­sa­tionell. Da war eine Energie, die man nicht verord­nen kann. Sie entste­ht, wenn Men­schen Ver­ant­wor­tung übernehmen und Gemein­schaft wirk­lich leben. Diese Kul­tur beschreibt das Werk mit: Selb­stver­trauen, Zusam­menge­hörigkeit und Ver­lässlichkeit. Eben­so wie Exzel­lenz, Inno­va­tion und Zukunftsperspektive.

Ich habe diese Werte nach meinem Besuch noch ein­mal gele­sen und dachte bei mir: Genau so habe ich das dort erlebt! Für mich ist das organ­i­sa­tionale Integrität: Wenn das, was eine Organ­i­sa­tion über sich sagt, und das, was sie tat­säch­lich lebt, zusam­men­passt – und auch für Men­schen von außen spür­bar wird. Und ich habe noch etwas anderes erlebt: Koop­er­a­tion. Bei dem Event kamen Führungskräfte unter­schiedlich­er Hier­ar­chieebe­nen und Mitar­bei­t­ende zusam­men. Per­son­alver­ant­wortliche und Betrieb­srat arbeit­eten miteinan­der und saßen am Abend im wahrsten Sinne des Wortes gemein­sam an einem Tisch. Es wurde disku­tiert, nachgedacht und gefeiert. Unter­schiedliche Rollen, unter­schiedliche Inter­essen, unter­schiedliche Per­spek­tiv­en – und ein gemein­samer Dia­log darüber, wie dieser Stan­dort auch in Zukun­ft seine Exzel­lenz erhal­ten kann. Für mich war das im besten Sinne Best Prac­tice für eine Kul­tur im Wan­del. Denn Trans­for­ma­tion ver­langt den Umgang mit Ambivalen­zen. Her­aus­forderun­gen wur­den klar benan­nt, unter­schiedliche Inter­essen blieben sicht­bar. Gle­ichzeit­ig waren die Men­schen miteinan­der im Gespräch und über­nah­men gemein­sam Ver­ant­wor­tung für das, was vor ihnen liegt.

Am zweit­en Tag dann mein Auftritt. Wir starteten am Mor­gen im Plenum mit mein­er Key Note. Das Pub­likum: wach, präsent und aufmerk­sam. 90 Minuten haben wir gemein­sam über Abschied, Trans­for­ma­tion, Emo­tio­nen und die Fähigkeit gesprochen, Ver­trautes loszu­lassen und sich Neuem zuzuwen­den. Diese Verbindung aus fach­lich­er Exzel­lenz und Offen­heit für neue Führungs­the­men habe ich schon lange nicht mehr so inten­siv erlebt. Aus mein­er Erfahrung her­aus zeigt sich die Wahrhaftigkeit von Unternehmen­skul­tur genau dann, wenn der Wind rauer wird und heftig von vorn kommt. Das Miteinan­der aufrechter­hal­ten — auch wenn ges­part wer­den muss. Die Her­aus­forderun­gen real­is­tisch betra­cht­en und Zuver­sicht erzeu­gen. Unter­schiedliche Inter­essen aushal­ten und das WIR im Blick behal­ten. Das ist für mich organ­i­sa­tionale Resilienz.

So gin­gen die Men­schen nach diesen Tagen mit neuer Kraft und Zuver­sicht nach Hause und sahen der Som­mer­pause ent­ge­gen. Ich danke Cor­nelius Surkamp als Gast­ge­ber und Melanie Albrecht und Thomas-Joachim Fritsch für die Ein­ladung zur Werkstatt.