Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Kirsten Schrick – Merger: Out of the crisis and into a new home
Merger: Out of the crisis and into a new home

Merger: Out of the crisis and into a new home

A merg­er is immi­nent — and it is not clear whether our cus­tomer’s divi­sion can find a new home.

Bay­erns Kun­st­min­is­ter Markus Blume hat eine hohe Mei­n­ung von Andrea Lis­soni. Er hat neuen Wind in das Haus der Kun­st“ gebracht“, begrün­dete er im Novem­ber 2023 kurz und knapp die Ver­tragsver­längerung seines Direk­tors. Ein Gespräch darüber, wie der ital­ienis­che Kura­tor und Kul­tur­man­ag­er die Trans­for­ma­tion der Kul­turin­sti­tu­tion vorantreibt und welche Rolle das Münch­en­er Haus der Kun­st“ in ein­er demokratis­chen Gesellschaft spie­len kann.

Andrea, Du hast im Jahr 2020 – mit­ten in der Pan­demie – die Leitung des Haus der Kun­st“ über­nom­men. Welche Vorstel­lung hat­test Du damals davon, wohin sich die Insti­tu­tion entwick­eln sollte?

Meine Vision war von Anfang an Trans­for­ma­tion. Mich hat die Frage beschäftigt, wie wir das Haus der Kun­st“ weit­er öff­nen kön­nen. Wie wir Men­schen erre­ichen, die sich bis­lang vielle­icht nicht selb­stver­ständlich als Teil ein­er Kun­stin­sti­tu­tion ver­standen haben. Wie wir jün­gere Gen­er­a­tio­nen ein­beziehen. Und wie wir unter­schiedliche Stim­men sicht­bar­er machen kön­nen. Für mich geht es nicht darum, dass eine Insti­tu­tion ihre eigene Stimme immer lauter erhebt. Mich inter­essiert vielmehr, wie sie andere Stim­men hör­bar machen kann.

Wer heute an das Haus der Kun­st“ denkt, erlebt längst nicht mehr nur Ausstel­lun­gen. Musik, Film, dig­i­tale Medi­en und Per­for­mances gehören selb­stver­ständlich zu Deinem Konzept mit dazu.

Diese Vielfalt entspricht unser­er Gegen­wart. Mich haben Diszi­plin­gren­zen nie beson­ders inter­essiert. Kun­st entste­ht heute an vie­len Schnittstellen: Musik, Film, Sound, Per­for­mance, dig­i­tale Medi­en oder neue tech­nol­o­gis­che Entwick­lun­gen gehören selb­stver­ständlich dazu. Deshalb war es mir wichtig, diese unter­schiedlichen Aus­drucks­for­men stärk­er sicht­bar zu machen. Und deshalb existiert das Haus der Kun­st“ heute nicht nur als physis­ch­er Ort, son­dern auch als dig­i­tale Plat­tform. Ein erhe­blich­er Teil unseres Pro­gramms, unser­er Kom­mu­nika­tion und unser­er Reich­weite entste­ht inzwis­chen online. Die Zukun­ft kul­tureller Insti­tu­tio­nen wird daher nicht allein in ihren Gebäu­den entschieden.

In vie­len Beträ­gen hast Du immer wieder von Demokratie und Teil­habe gesprochen.

Für mich gehören bei­de Dinge zusam­men. Eine Kun­stin­sti­tu­tion ist kein Ort, an dem einige wenige sprechen und viele zuhören. Sie sollte Men­schen mit unter­schiedlichen Erfahrun­gen, Per­spek­tiv­en und Hin­ter­grün­den zusam­men­brin­gen. Deshalb ist für mich wesentlich, dass sich Men­schen aktiv beteili­gen kön­nen. Demokratie lebt davon, dass unter­schiedliche Stim­men sicht­bar wer­den. Dass Men­schen einan­der zuhören. Dass unter­schiedliche Per­spek­tiv­en nebeneinan­der beste­hen dür­fen. Kun­stin­sti­tu­tio­nen kön­nen genau dafür Räume schaffen.

Du beschäftigst Dich seit vie­len Jahren mit Film, Medi­enkun­st und dig­i­tal­en Entwick­lun­gen. Welche Rolle spie­len neue Tech­nolo­gien und Kün­stliche Intel­li­genz für die Kunst?

Jede große tech­nol­o­gis­che Entwick­lung verän­dert auch die Kun­st. Für mich ste­ht dabei weniger die Tech­nolo­gie selb­st im Fokus, son­dern die Frage, wie sie unsere Wahrnehmung verän­dert. Wie verän­dert sie Kreativ­ität? Wie verän­dert sie Autoren­schaft? Wie verän­dert sie unsere Vorstel­lung davon, was Kun­st über­haupt sein kann? Deshalb beschäfti­gen wir uns seit vie­len Jahren mit Medi­enkun­st, Film und dig­i­tal­en For­mat­en. Ein The­ma, das mir beson­ders am Herzen liegt, sind Künstler:innen, die oft schon sehr früh mit Video, Film oder neuen medi­alen Aus­drucks­for­men gear­beit­et haben und deren Bedeu­tung lange unter­schätzt wurde. Deren Arbeit­en stellen wir aus, um zu zeigen, dass viele Entwick­lun­gen, die wir heute disku­tieren, in der Kun­st bere­its vor Jahrzehn­ten von Frauen begonnen wur­den. Kun­stin­sti­tu­tio­nen soll­ten solche Entwick­lun­gen nicht erst auf­greifen, wenn sie gesellschaftlich­er Main­stream gewor­den sind. Sie soll­ten sie früh sicht­bar machen und zur Diskus­sion stellen.

Wenn Du zehn Jahre nach vorne blickst: Welche Rolle wird das Haus der Kun­st dann spielen?

Ich glaube, Insti­tu­tio­nen wer­den sich kün­ftig weniger über ihre Gebäude definieren als über ihre gesellschaftliche Wirkung. Natür­lich bleiben Orte wichtig. Aber entschei­dend wer­den die Beziehun­gen sein, die wir ermöglichen. Die Zukun­ft liegt in Net­zw­erken, Gesprächen und Beteili­gung. In Insti­tu­tio­nen, die Men­schen zusam­men­brin­gen, die sich son­st vielle­icht nie begeg­nen wür­den. Ich wün­sche mir ein Haus der Kun­st“, das noch stärk­er mit der Gesellschaft ver­bun­den ist. Eine Insti­tu­tion, die zuhört, lernt, unter­schiedliche Stim­men sicht­bar macht und kul­turelle Entwick­lun­gen früh aufgreift.

Viele Unternehmen befind­en sich derzeit in einem Trans­for­ma­tion­sprozess, den Du für Deine Insti­tu­tion erfol­gre­ich gestal­test. Was kön­nen sie von Euch lernen?

Vielle­icht vor allem Offen­heit. Trans­for­ma­tion begin­nt sel­ten mit ein­er neuen Struk­tur. Sie begin­nt damit, dass man bere­it ist zuzuhören. Dass man Entwick­lun­gen wahrn­immt. Dass man neue Stim­men ernst nimmt. In der Kun­st erleben wir häu­fig, dass junge Kün­st­lerin­nen und Kün­stler gesellschaftliche Verän­derun­gen sehr früh wahrnehmen. Oft früher als andere gesellschaftliche Bere­iche. Deshalb braucht Trans­for­ma­tion Offen­heit. Offen­heit für neue Per­spek­tiv­en, neue Aus­drucks­for­men und neue Entwick­lun­gen. Inno­va­tion entste­ht sel­ten dort, wo alles bere­its bekan­nt ist.

Zur Per­son

Andrea Lis­soni ste­ht für eine neue Gen­er­a­tion von Führungsper­sön­lichkeit­en im Kul­turbere­ich. Seine beru­fliche Lauf­bahn führte ihn von Mai­land über Lon­don nach München. Er arbeit­ete an den Schnittstellen von Kun­st, Film, Sound, dig­i­tal­en Medi­en und neuen Tech­nolo­gien – lange bevor The­men, wie Dig­i­tal­isierung und Kün­stliche Intel­li­genz bre­ite gesellschaftliche Aufmerk­samkeit erhielten.

Drei Gedanken von Andrea Lis­soni für Führungskräfte

  1. Trans­for­ma­tion braucht Offen­heit. Wer Zukun­ft gestal­ten will, muss bere­it sein, neue Stim­men, neue Per­spek­tiv­en und neue Entwick­lun­gen ernst zu nehmen.
  2. Inno­va­tion ist sel­ten das Ergeb­nis von Gle­ich­för­migkeit. Sie entste­ht an Schnittstellen.
  3. Entschei­dend ist nicht nur, wie physisch sicht­bar eine Organ­i­sa­tion ist, son­dern vor allem, welchen Beitrag sie für die gesellschaftliche Entwick­lung und Teil­habe leistet.