Cookie Consent by Free Privacy Policy Generator website Kirsten Schrick – Merger: Out of the crisis and into a new home
Merger: Out of the crisis and into a new home

Merger: Out of the crisis and into a new home

A merg­er is immi­nent — and it is not clear whether our cus­tomer’s divi­sion can find a new home.

Seine Bilder bewe­gen sich zwis­chen Fig­u­ra­tion und Abstrak­tion, zwis­chen Klarheit und Rät­sel. Im Rah­men mein­er Rei­he Kun­st und Wirtschaft“ habe ich mit ihm über Frei­heit, Unsicher­heit und die Frage gesprochen, was Kun­st unser­er Gesellschaft heute vielle­icht voraus hat.

Boris, viele Men­schen erleben die Gegen­wart als wider­sprüch­lich, polar­isierend und über­fordernd. Was beschäftigt Dich aktuell kün­st­lerisch besonders?

Dass die Fähigkeit zum Zuhören ver­loren geht. Ich habe das Gefühl, dass wir uns immer stärk­er in unseren eige­nen Blasen bewe­gen. Durch soziale Medi­en wird dieses Phänomen noch ver­stärkt. Jed­er hält sich in seinem eige­nen Kreis auf und entwick­elt schnell eine Art moralis­che Über­legen­heit. Man hört der anderen Seite gar nicht mehr richtig zu. Mich beschäftigt genau das. Diese Vorstel­lung, dass die Welt in Gut und Böse, Schwarz und Weiß eingeteilt wer­den kann. So ist das Leben doch nicht. Es gibt unendlich viele Graustufen. Aber darüber die wird immer weniger gesprochen beziehungsweise diese Graustufen wer­den nicht wahrgenom­men oder disku­tiert. Das Leben ist kein Fußball­spiel, bei dem am Ende fest­ste­ht, wer gewon­nen hat.

Wie nimmst Du Deine Gen­er­a­tion wahr?

Ich beobachte einen enor­men Drang zur Selb­stop­ti­mierung. Alle wollen die beste Ver­sion ihrer selb­st wer­den. Ich nehme mich da nicht unbe­d­ingt aus. Aber manch­mal habe ich das Gefühl, dass dabei etwas ver­loren geht. Eck­en und Kan­ten, Wider­sprüche und Echtheit zum Beispiel. Gle­ichzeit­ig finde ich es gut, dass wir heute viel offen­er über psy­chis­che Gesund­heit sprechen. Wir merken langsam, dass per­ma­nente Opti­mierung irgend­wann an Gren­zen stößt.

Kün­st­lerische Arbeit bedeutet oft, lange mit Unsicher­heit zu leben. Wie gehst Du damit um?

Eigentlich begin­nt jede Arbeit mit Unsicher­heit. Ich ver­suche inzwis­chen, sie nicht mehr abschüt­teln zu wollen, son­dern sie anzunehmen. Das ist oft der freieste Moment. Die Dinge sind schon in Bewe­gung, aber sie zeigen noch nicht in eine Rich­tung. Da ist alles noch offen. Natür­lich ist das nicht leicht auszuhal­ten. Aber ich habe gel­ernt, dass genau durch diesen Moment oft­mals die inter­es­san­teren Möglichkeit­en entste­hen. Meis­tens wird ein Bild ohne­hin nie so, wie ich es ursprünglich geplant habe. Und das ist fast immer auch gut so. Im Ate­lier ver­suche ich außer­dem, die Betra­ch­terin­nen und Betra­chter zu vergessen. Wenn ich anfange, durch die Augen ander­er auf meine Arbeit zu schauen, ver­liere ich etwas Wesentlich­es. Dann arbeite ich plöt­zlich für Erwartun­gen, statt für die Arbeit selb­st. Das würde sich für mich wie Selb­stver­rat anfühlen.

Welche Rolle spielt Frei­heit für Deine Arbeit?

Frei­heit ist wahrschein­lich das Wertvoll­ste an diesem Beruf. Sie wiegt viele Unsicher­heit­en auf. Die Möglichkeit, selb­st zu bes­tim­men, wie ich arbeite, wann ich arbeite und wohin ich gehe, ist für mich ein riesiges Geschenk. Gle­ichzeit­ig habe ich gel­ernt, dass Frei­heit auch Schutz braucht.

Inwiefern?

Für mich ist Kreativ­ität wie ein kleines Pflänzchen. Ich ver­suche ständig, dieses Pflänzchen zu beschützen. Vor Druck, vor zu viel Lärm, vor Sor­gen. Denn sobald man nur noch darüber nach­denkt, wie man die Miete bezahlt oder wie etwas ankommt, wird kreatives Arbeit­en schwierig. Dabei ist das Spielerische für meine Arbeit notwendig, gle­ichzeit­ig ist es aber auch unglaublich fragil.

Merger: Out of the crisis and into a new home

Unternehmen suchen oft sehr schnell nach Lösun­gen. Kun­st hält Fra­gen häu­fig länger offen. Welche Rolle spie­len Ambivalenz und Unklarheit in Dein­er Arbeit?

Eine zen­trale Rolle. Malerei ist für mich Kom­mu­nika­tion. Aber eben eine non­ver­bale Form von Kom­mu­nika­tion. Deshalb finde ich es sog­ar prob­lema­tisch, wenn jemand über ein Bild sagt: Das bedeutet genau das oder das. Damit wird ein Kor­ri­dor, den ich mit meinen Arbeit­en auf­s­panne, unnötig eingeengt. Mich inter­essiert das Offene. Dass ein Bild Raum lässt. Für Missver­ständ­nisse. Für unter­schiedliche Erfahrun­gen. Für Inter­pre­ta­tio­nen. Diese Betra­ch­tung ist aus mein­er Sicht auch näher am Leben. Wir ver­suchen ständig, allem einen Sinn zu geben und alles zu erk­lären. Aber wenn wir ehrlich sind, ver­ste­hen wir doch viel weniger, als wir glauben. Eigentlich befind­en wir uns die ganze Zeit in ein­er großen Ahnungslosigkeit. Und Kun­st erin­nert uns daran.

Wie wichtig sind Ver­let­zbarkeit und Ehrlichkeit für kreative Prozesse?

Ehrlichkeit trifft es für mich bess­er als Ver­let­zbarkeit. Wie zuvor bere­its gesagt, merke ich beim Malen sofort, wenn ich anfange, Erwartun­gen zu erfüllen. Das sieht man dann auf der Lein­wand, ich zumin­d­est sehe es. Ein gutes Bild entste­ht für mich dann, wenn man wirk­lich man selb­st ist. Wenn man nicht ver­sucht, etwas darzustellen, son­dern etwas zeigt. Ver­let­zlich wird man spätestens, wenn das Bild aus­gestellt wird. Kri­tik kann schmerzen. Aber noch schwieriger empfinde ich mitunter Desin­ter­esse. Man arbeit­et Wochen, Monate oder Jahre an etwas. Und dann schaut jemand zwei Sekun­den hin und geht weit­er. Das musste ich ler­nen, auszuhal­ten. Vor allem musste ich ver­ste­hen, dass daraus nicht automa­tisch fol­gt, dass die Arbeit schlecht ist. Das ist ein großer Unterschied.

Gab es Zweifel oder Krisen, die rück­blick­end wichtig für Deine Entwick­lung waren?

Eigentlich beste­ht der ganze Weg aus Zweifeln. Meine Moti­va­tion, Kun­st zu machen, war ursprünglich eine Iden­titätssuche. Ich hat­te lange das Gefühl, nicht zu wis­sen, wer ich bin. Kun­st war mein Ver­such, das her­auszufind­en. Heute würde ich nicht behaupten, dass ich angekom­men bin. Vielle­icht kommt man da auch nie ganz an. Aber von Bild zu Bild, von Gespräch zu Gespräch ver­ste­he ich etwas mehr — nicht nur von der Kun­st. Son­dern über mich selbst.

Wir haben bere­its über Sicher­heit und Unsicher­heit gesprochen. Was kön­nen Wirtschaft und Gesellschaft in dieser Hin­sicht von Kün­st­lerin­nen und Kün­stlern lernen?

Vielle­icht, mehr Seele in die Dinge zu leg­en. Wach­s­tum und Prof­it sind wichtig. Aber wenn alles nur noch diesem Ziel unter­ge­ord­net wird, zahlen wir einen hohen Preis. Dann ver­lieren wir den Sinn. Die meis­ten Kün­st­lerin­nen und Kün­stler, die ich kenne, sind Ide­al­is­ten. Ein biss­chen mehr Ide­al­is­mus würde unser­er Gesellschaft wahrschein­lich nicht schaden.

Und wenn Du einen Wun­sch für die Zukun­ft frei hättest?

Es sollte mehr Raum geben. Mehr Raum für Fehler. Mehr Raum für Spin­nereien. Mehr Raum für ver­rück­te Ideen. Auch, wenn die meis­ten spin­nerten Ideen nicht funk­tion­ieren — die weni­gen, die funk­tion­ieren, verän­dern alles. Aber dafür braucht es Zeit, Ver­trauen und Men­schen, die bere­it sind, an etwas zu glauben, bevor es sich rech­net. Vielle­icht gilt das für die Kun­st genau­so, wie für die Wirtschaft und Gesellschaft.